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Zur Erklärung der Senator/inn/en Katharina Fegebank und Thies Rabe zur „Verbesserung der Lehrerausbildung in Hamburg“ vom 24.11.2017:

Rückschritt für die Inklusion

Mit großer Sorge nimmt der Vorstand des ViHS zur Kenntnis, dass die für Hamburg nunmehr vorgesehene „Verbesserung der Lehrerausbildung in Hamburg“ einen deutlichen Rückschritt für die Inklusion bewirken wird.

 So werden Lehrer/innen für Stadtteilschulen und Gymnasien zwar in Zukunft gemeinsam ausgebildet, Grundlage dafür soll aber die Ausweitung der bisherigen Gymnasiallehrer- ausbildung sein, welche naturgemäß den „inklusiven“ Herausforderungen in keiner Weise gerecht wird. Wie der ViHS in seiner Stellungnahme zu den Empfehlungen der „Expertenkommission Lehrerbildung“ ausführte***,

  • ... ist für Sek-I-Lehrkräfte eine Ausbildung, die auch wesentliche Kenntnisse der Grundschulpädagogik und -didaktik vermittelt, Voraussetzung um in heterogenen Lerngruppen erfolgreich zu unterrichten. Sie ist dringend erforderlich, um auch Schüler/innen mit Lernschwierigkeiten den Übergang in die Sekundarstufe zu ermöglichen. Diese Ausbildung aber soll gänzlich entfallen.

  • ... werden damit in Zukunft an Sek I-Schulen nur noch Sonderpädagog/inn/en als „die Experten“ für elementare Lernprozesse gelten. Eine weitere Sonderpädagogisierung von „Inklusion“ und Förderung wird damit vorangetrieben.


Zu Unrecht argumentieren die Senatoren, Gymnasiallehrer hätten sich an Stadtteilschulen im inklusiven Unterricht bestens bewährt und seien deshalb bereits in den letzten Jahren verstärkt angefordert worden. In Wahrheit hatte die rot-grüne Regierung mit ihrem Koalitionsvertrag die personalpolitische Vorgabe gemacht, Stadtteilschulen müssten 50% ihrer Lehrerstellen mit Gymnasiallehrer/inne/n besetzen, und dieses Ziel administrativ durchgesetzt. Diese Entwicklung geht mit einem deutlichen, excludierenden Trend zu äußerer Differenzierung an den Stadtteilschulen einher.

Der ViHS kritisiert besonders scharf die beabsichtigte Schaffung eines neuen Grundschullehramts, seine inhaltliche Ausgestaltung mit den Pflichtfächern Deutsch und Mathematik und die Beibehaltung der derzeitigen Lehrämter Sonderpädagogik. Wir bekräftigen die Überzeugung, dass sich eine wirklich zeitgemäße Lehrerausbildung nicht an den überkommenen Schulstrukturen zu orientieren hätte, sondern an der Aufgabe, künftig in multiprofessionellen Teams das gemeinsame Lernen in sehr heterogen zusammengesetzten Lerngruppen zu gestalten. Es bedarf daher einer Lehrerbildung, die „EIN modernes und zukunftsfähiges Lehramt aus einem Guss, kompatibel für alle Schularten“ schafft, mit Spezialisierungen für unterschiedliche Bedingungen und Erfordernisse. Dem gegenüber verschlechtern sich mit den geplanten Reformschritten die Bedingungen für Inklusion.


Vorstand des ViHS, Hamburg, 07.12.2017

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